Nach der maximalen Förderdauer von zwölf Jahren (vier Förderperioden) hat der Sonderforschungsbereich (SFB) 434 „Erinnerungskulturen“ zum Jahresende 2008 seine Arbeit eingestellt.

1997 wurde der SFB als einer der ersten und größten geisteswissenschaftlichen Forschungsverbünde dieser Art ins Leben gerufen. Das vom Gründungsteam unter dem Historiker Prof. Dr. Günther Lottes gesteckte Ziel war die Untersuchung von Formen und Inhalten kultureller Erinnerung von der Antike bis zur Gegenwart. Dabei wollte man sich unter anderem kritisch mit dem einflussreichen, von Jan und Aleida Assmann geprägten Konzept des „kulturellen Gedächtnisses“ auseinandersetzen. Nicht zuletzt stand die Gründung auch vor dem Hintergrund eines gesellschaftlichen „Erinnerungsbooms“; so stellte sich die Frage, warum Bedürfnisse nach kollektiver Erinnerung entstehen und wie sie sich ausdrücken.
Finanziert wird der SFB von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Insgesamt rund 200 Wissenschaftler u.a. aus Geschichts-, Literatur- und Gesellschaftswissenschaften haben in den zwölf Jahren Beiträge zum Wissen um Theorie und Praxis kollektiver Erinnerung geleistet. Nicht zuletzt wurde der SFB zum Kristallisationskern eines bundesweit einmaligen Netzes von geisteswissenschaftlichen Forschungsverbünden, in dem sich zuletzt im Rahmen der Exzellenzinitiative das International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) etabliert hat.

Als „sichtbare“ Ergebnisse kann der SFB unter anderem die bislang fast 40 Bände umfassende Publikationsreihe „Formen der Erinnerung“ im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht sowie die ebenfalls aus dem SFB hervorgegangene, bei de Gruyter erscheinende Reihe „Media and Cultural Memory“ vorweisen. Auch bei anderen Verlagen sind zahlreiche weitere Veröffentlichungen erschienen, darunter viele im Rahmen des SFB entstandene Dissertations- und Habilitationsschriften. Als Veranstalter internationaler und nationaler Tagungen und Workshops pflegte der SFB den Austausch mit auswärtigen Wissenschaftlern und die Auseinandersetzung mit verwandten geisteswissenschaftlichen Forschungskonzepten. Regelmäßig veranstaltete er zudem mit renommierten Gastrednern besetzte Ringvorlesungen, auf der er sich auch der breiten Öffentlichkeit präsentierte. Ein breites Echo fanden nicht zuletzt zwei unter Federführung des SFB-Teilprojekts „Andenken und Eingedenken“ organisierte Ausstellungen in Frankfurt: „Der Souvenir“ und „Vom Tagebuch zum Weblog“.

Zur Posterpräsentation des Abschlußkolloquiums

 

Neue Publikation: Die nakba erinnern. Palästinensische Narrative des ersten arabisch-israelischen Kriegs 1948

PD Dr. Sabine Damir-Geilsdorf

Die nakba erinnernUnter dem Begriff ‚nakba‘ („Katastrophe“) erinnern Palästinenser an die Geschehnisse im Kontext des ersten arabisch-israelischen Kriegs 1948, unmittelbar nach der Staatsgründung Israels. Die nakba gilt auch aufgrund des damals entstandenen, bis heute nicht gelösten Flüchtlingsproblems als palästinensisches Trauma und einschneidende Zäsur in der Geschichte der Palästinenser. Seit nunmehr 60 Jahren werden Erinnerungen an die nakba nicht nur von politischen Deutungseliten, sondern auch in der Literatur, Populär- und Alltagskultur immer wieder reproduziert. Palästinensische Darstellungen und Deutungen des Geschehens stehen dabei einem so wahrgenommenen israelischen (Sieger-)gedächtnis gegenüber, sind aber keineswegs homogen.
Anhand von Interviews mit palästinensischen Flüchtlingen in Jordanien und Analysen eines breiten Spektrums schriftlicher Quellen (historiografische Darstellungen, Politiker- und Gedenkreden, Prosa und Lyrik, Predigten, Zeitungen und Zeitschriftenartikel, Websites) zeigt dieses Buch die Formen und Funktionen von nakba-Erinnerungen auf. Das Buch beleuchtet nicht nur die Topoi, Motive, Deutungsmuster und –ressourcen der nakba-Erinnerungen als Kriegsgeschehen und als Verlust von ‚Heimat’, sondern macht auch ihre Brüche und Differenzen deutlich. Es zeigt, wie stark nakba-Narrative beeinflusst sind von Gegenwartsdeutungen und Vergleichshorizonten, die vielfach zu Überblendungen führen. Bei den Interviews äußert sich dies beispielsweise in ‚Zeitsprüngen’ und ‚Erinnerungsketten’. So werden auch die Implikationen der nakba-Darstellungen und -Deutungen für die Gegenwart und prospektierte Zukunft analysiert, wenn etwa die nakba als Wahrnehmungsprisma für die Haltungen, Handlungen und Aussagen des ‚Anderen’ im aktuellen Konflikt dient.

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Wiesbaden: Reichert 2008, 360 Seiten, gebunden.
ISBN: 978-3-89500-637-1

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Formen der Erinnerung Bd. 38, Reihe des SFB "Erinnerungskulturen" (Dr. Birgit Neumann & Prof. Dr. Jürgen Reulecke Hg.): Erinnerungsräume und Wissenstransfer (Beiträge zur afrikanischen Geschichte)

Prof. Dr. Winfried Speitkamp (Hg.)


Erinnerungsräume und Wissenstransfer (Beiträge zur afrikanischen Geschichte)Die Gegenwart wird geprägt durch überliefertes Wissen und die kreative Handhabung der Tradition. Umgekehrt wird die Überlieferung geprägt durch die Gegenwart, durch Akteure und deren Interessen. Das zeigt die afrikanische Geschichte. Seit der Kolonialzeit konkurrierten verschiedene Versionen der Vergangenheit: Soziale, politische, kulturelle und religiöse Gruppen schufen sich jeweils ihre eigenen Erinnerungsräume, in denen Wissen aus der Vergangenheit in die Gegenwart transferiert und dabei angepasst wurde.
Diese Band spürt den Erinnerungsräumen des 20. Jahrhunderts in Afrika nach und nimmt unterschiedliche Erinnerungspraktiken in den Blick. Er zeigt, wie über den Zeitraum von Kolonialherrschaft und Nationalstaat hinweg Kontinuitäten bewahrt wurden, wie gesellschaftliche Akteure im Prozess des Erinnerns und des Entwerfens von Zukunft miteinander um die Vergangenheit rangen, wie Wissen in verschiedenen Kontexten generiert und Zukunft im Erinnerungsprozess neu konzipiert wurde.

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Göttingen, V&R unipress 2008, 218 Seiten, Hardcover.
ISBN: 978-3-89971-533-0

Bestellung: z.B. direkt beim Vandenhoeck & Ruprecht Verlag.
 

Neue Publikation: Geschichte der türkischen Literatur in Dokumenten. Hintergründe und Materialien zur Türkischen Bibliothek

Prof. Dr. Mark Kirchner (Hg.)


Geschichte der türkischen Literatur in Dokumenten.Seit ihrer Loslösung von den Vorbildern der klassischen arabischen und persischen Literatur in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts konnte sich die türkische Literatur von einer relativ unbedeutenden Literatur am Rande Europas zu einer produktiven Nationalliteratur in der jungen türkischen Republik und weiter zu einem dynamischen und wettbewerbsfähigen Zweig des globalisierten Literaturbetriebs entwickeln. Dieser bisweilen abenteuerliche Weg, der von scharfen Richtungsdiskussionen, Polemiken und politischen Verfolgungen gekennzeichnet war und ist, wird in diesem Band anhand ausgewählter Dokumente nachgezeichnet. Mit einer bewusst subjektiven Auswahl von kommentierten Auszügen aus Briefen, Interviews, Manifesten, Buchbesprechungen und anderen Texten, die hier meist erstmalig in Übersetzung vorgelegt werden, entsteht ein akzentuiertes Bild der Geschichte der türkischen Literatur der letzten 150 Jahre.

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Wiesbaden, HARRASSOWITZ Verlag Oktober 2008, 280 Seiten, Hardcover.
ISBN: 978-3-447-05790-5

Bestellung: z.B. direkt beim HARRASSOWITZ Verlag.