Institut für Orientalistik

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Das Institut  
     
    Akademische Vernetzungen und gesellschaftliche Aufgaben  
       
    Seit ihrem Bestehen in Gießen verstehen sich die orientalistischen Fächer nicht nur als Ort der Analyse "fremder", außereuropäischer Kulturen, sondern sie treten auch als Vermittler von notwendigen Zusatz- und Schlüsselqualifikationen für die traditionellen europabezogenen Studienfächer hervor.

Heute leben fast 3 Millionen Muslime in Deutschland. Die Staaten der islamischen Welt sind Europas Nachbarn im Süden, Osten und Südosten. Das gesamte südliche und östliche Mittelmeergebiet, die ostarabischen Länder sowie das weite Gebiet vom Iran bis zum Hindukusch, von der Wolga bis in die Steppen Mittelasiens werden die Zukunft Europas um ein Vielfaches mehr beeinflussen, als dies noch in den Jahren vor der Islamischen Revolution im Iran oder dem Zusammenbruch der Sowjetunion vorauszusehen war.

Die orientalistischen Fächer an der Justus-Liebig-Universität haben sich in zunehmendem Maße aktiv in diese neue Situation eingebracht. Sie dokumentieren und analysieren sie auf der Basis der Philologien des genannten Gebiets, seiner ethnischen Vielfalt und seiner geistigen wie materiellen Kultur. Dazu zählt heute auch die bikulturelle und zweisprachige Situation der in Westeuropa lebenden Muslime sowie Angehöriger anderer Religionen aus dem vom Islam dominierten östlichen Mittelmeergebiet.

Die Giessener Orientwissenschaft sieht ihre Aufgabe hauptsächlich darin, das wissenschaftliche know how sowohl zur Erkenntnis als auch zur praktischen Nutzbarmachung der veränderten und für Europa immer wichtiger werdenden geopolitischen, religiösen und kulturellen Lage in den Ländern der islamischen Welt zu erbringen.

Diesem Ziel dienen auch die folgenden Projekte und Aufgaben:
 
       
    das 1994-95 aus Drittmitteln des Landes Hessen im Rahmen des Landesforschungsschwerpunktprogramms eingerichtete Teilprojekt "Islamismus und Zivile Gesellschaft im Nahen und Mittleren Osten" (Prof. Dr. A. Hartmann) gemeinsam mit dem politologischen Teilprojekt "Der Islam im Westen" (Prof. Dr. C. Leggewie), weiterfinanziert aus Universitätsmitteln

Mitgliedschaft (Schriftführung Prof. Dr. A. Hartmann) im Vorstand der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Vorderer Orient für gegenwartsbezogene Forschung und Dokumentation (DAVO; Vorsitzender: Prof. Dr. Günter Meyer, Geographisches Institut, Universität Mainz). In der DAVO haben sich sowohl Studierende als auch Vertreter verschiedener Wissenschaftsdisziplinen, der Medien, Wirtschaft und Politik zwecks gemeinsamer praxisnaher Analyse der Gegenwartslage im Nahen und Mittleren Osten sowie in Mittelasien zusammengeschlossen.

Mitherausgabe (Prof. Dr. A. Hartmann) der ab 1998 im Ergon-Verlag, Würzburg, erscheinenden Schriftenreihe "Mitteilungen zur Sozial- und Kulturgeschichte der islamischen Welt" (MISK):

1995-2000 Mitarbeit (Prof. Dr. A. Hartmann) in der Leitungskommission des Graduiertenkollegs "Didaktik des Fremdverstehens" (Leitung: Prof. Dr. L. Bredella). Dieses Teilprojekt der Gießener Orientwissenschaft untersucht Stereotypen im Umgang mit "dem Fremden" wie Vorurteile, Feindbilder und subjektive Theorien

Mitglied des Sonderforschungsbereichs 434 "Erinnerungskulturen" der Deutschen Forschungsgemeinschaft (Sprecher: Prof. Dr. Jürgen Reulecke) Teilprojekt F 11 (ab 01.01.2000): "Der 'wahre' Islam: Exegesehorizont und Erinnerungspraxis religiös-politischer Bewegungen der zeitgenössischen muslimischen Ökumene" (Teilprojektleiterin: Prof. Dr. Angelika Hartmann; BearbeiterInnen: Dr. Sabine Damir-Geilsdorf, Prof. Dr. Angelika Hartmann, Dr. Béatrice Hendrich, Henner Kirchner)

DFG-Projekt 2001/2002: Söldner in der Sozialgeschichte des muslimischen Vorderen Orients vom 9. bis 11. Jahrhundert" (wiss. Mitarbeiter: Dr. habil. Gerhard Hoffmann, Leipzig; Projektleiterin: Prof. Dr. A. Hartmann).

DFG-Projekt gemeinsam mit Herrn Prof. Dr. Hans-Rimbert Hemmer (Volkswirtschaft, JLU-Giessen): Armut palästinensischer Flüchtlinge. Eine Untersuchung multidimensionaler Aspekte der Armut in palästinensischen Flüchtlingslagern in Jordanien.
(wiss. Mitarbeiterin: Frau Dr. Sabine Damir-Geilsdorf; Federführung: Prof. Dr. Angelika Hartmann). Dieses Projekt wird derzeit durch die DFG-Fachvertreter begutachtet.

Arab Media Review und MidEast Press-Digest - Projekt (Henner Kirchner)
Das Projekt Arab Media Review ist entstanden aus einer langjährigen Beschäftigung mit der Region des Nahen und Mittleren Ostens. Der MidEast Press-Digest ist eine wöchentlich erscheinende Zusammenfassung und Analyse der in der Arabischen Welt von Marokko bis Irak veröffentlichten Medienberichterstattung. Insgesamt werden ca. 200 Periodika in arabischer, englischer und französischer Sprache bei der Auswertung berücksichtigt. Dieser Dienst ist in Deutschland zurzeit einmalig
Über mehrere Lehrveranstaltungen am Institut für Orientalistik ist dieses Projekt bereits in den Lehrbetrieb integriert und wird durch die geplante Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI) an der Universität Gießen auch in einen breiteren, interdisziplinären Kontext gestellt.

Vernetzungen: ZMI (Zentrum für Medien und Interaktivität) an der Uni Giessen

Integrationsprojekt "junge Türken, junge Polizisten – wir lernen uns kennen", wird durchgeführt von der Türkisch-Deutschen Gesundheitsstifung e.V. in Giessen in Zusammenarbeit mit der Verwaltungsfachhochschule in Wiesbaden, Fachbereich Polizei-Studienort Giessen. Das zweijährige Projekt wird vom Sozialministerium Hessen finanziert und von Frau Dr. Songül Rolffs, Lektorin für Türkisch am Institut für Orientalistik, betreut.
In diesem Projekt lernen die türkischen Teilnehmer Deutsch und die deutschen Teilnehmer Türkisch gemeinsam, d.h. sie bringen sich unter Anleitung der Kursleiterin jeweils ihre Muttersprache gegenseitig bei. Zusätzlich findet alle 14 Tage ein Themenabend statt, zu bestimmten Fragestellungen aus der Kultur, der Religion, der Politik usw. wie z.B. "wir begehen Ramadan", "wir feiern Zuckerfest", "wir feiern Weihnachten".. Nach zwei Jahren wird das Projekt wissenschaftlich ausgewertet.

Integration der Orientalistik in die Partnerschaft mit der Universität Kazan, Tatarstan; insbesondere die Zusammenarbeit mit der Fakultät für Tatarische Philologie (Prof. Dr. Talgat Galiullin); Studenten- und Dozentenaustausch

ECTS-Programm mit dem Department of Oriental and Slavonic Studies der Universität Leuven (Belgien).

Intensive und gute Kontakte unterhält das Institut für Orientalistik außerdem zu mehreren orientalischen und europäischen Universitäten und Forschungsinstitutionen, z. B. in Kairo, Amman, Beirut, Istanbul, Paris, Leuven, Leiden und Wien.

Neben der universitären Forschung und Lehre fördert das Institut für Orientalistik durch seinen interdisziplinären und den gesamten Vorderen Orient sowie Teilgebiete Mittelasiens umfassenden Ansatz in besonderem Maße auch den Informationsaustausch mit und zwischen den zahlreichen außeruniversitären Institutionen, welche am aktuellen politischen und kulturellen Geschehen in den islamischen Ländern interessiert sind. Der Öffentlichkeitsarbeit des Instituts im Rahmen der Erwachsenenbildung im In- und Ausland kommt deshalb ein hoher Rang zu. Aktuelle Themen zu den Problemkreisen der religiösen Ethik, Geschichte, Politik und politischer Theorien der Muslime in ihren Heimatländern sowie in Westeuropa stehen im Mittelpunkt dieses Bereichs der Institutsaktivitäten, welche sich in Form von Vorträgen, Podiumsdiskussionen, Mitwirkung bei berufsethischen Lehrgängen, Politikberatung, wie z. B. im Rahmen der Rosenburggespräche der Bundesakademie für Sicherheitspolitik in Bonn, im Militärwissenschaftlichen Büro des Ministeriums für Landesverteidigung in Wien, sowie auch in Berichten für kirchliche bzw. weltanschaulich neutrale Einrichtungen, wie z. B. für die Bundeszentrale für politische Bildung (Bonn), oder Tageszeitungen, wie z. B. die NZZ, niederschlagen.

Dokumentation "Islamismus und Zivilgesellschaft der islamischen Welt". Die Sammlung enthält Monographien, Fachzeitschriften, Graue Literatur, Presseartikel, Stellungnahmen offizieller islamischer Einrichtungen wie auch des informellen Sektors, Parlaments- und Prozessprotokolle sowie auf Video bzw. Kassette aufgezeichnete Predigten. An hessischen Universitäten stellt diese ca. 1000 Bände umfassende Dokumentation ein Novum dar. Sowohl dem Projekt- und Lehrbetrieb des Instituts als auch für Examens- und Forschungsarbeiten außeruniversitärer Interessenten, z. B. aus den Medien und der Wirtschaft steht die Dokumentation zur Verfügung. Mit einer gezielten Auswertung der Sammlung wurde 1995 begonnen. Zentrale Fragestellungen sind den Modellen der Identitätsbildung und der sozialen Differenzierung in den islamischen Ländern gewidmet.

 
       
    Informationen über aktuelle Veranstaltungen des Instituts und seiner Mitarbeiter sind in den Sekretariaten der Professuren für Islamwissenschaft/Arabistik und Turkologie erhältlich.  
       
       
       
   

Letzte Bearbeitung dieser Seite am 29.06.2004