Institut für Orientalistik

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Das Institut - Zielvereinbarung  
     

Zielvereinbarungen des Instituts für Orientalistik  (Entwurf vom 14.12.2001)

         
    1. Einleitung: Orientalistik in Gießen  
         
      Am Institut für Orientalistik sind zwei Fachrichtungen vertreten. Zum einen sind dies die "Islamwissenschaft" auf der Basis der Sprachen Arabisch, Türkisch und Persisch im Magister- und Promotionsstudiengang einschließlich "Islamwissenschaft" als Nebenfach im Diplomstudiengang "Geographie" sowie die "Arabistik" als Nebenfach im Diplomstudiengang "Neuere Fremdsprachen" und zum anderen die "Turkologie" auf der Basis des Türkischen und weiterer Turksprachen ebenfalls im Magister- und Promotionsstudiengang. Außerdem können am Institut die Studienelemente "Arabisch" und "Türkisch" belegt werden.

Eine Zukunftsperspektive für den Standort Gießen dürfte der Studiengang "Türkisch" als Erweiterungsfach mit dem Abschluss einer Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien nach § 22 Abs. 5 HUG eröffnen. Bei diesem L3 Studiengang handelt es sich um eine Maßnahme, welche in Hessen einmalig wäre. In Deutschland wurde ein vergleichbarer Studiengang bisher nur an der Universität Gesamthochschule Essen eingerichtet. Mit diesem in Vorbereitung befindlichen, modernen Studiengang plant das Institut für Orientalistik, dem Türkischen in der Bundesrepublik Deutschland gerecht zu werden: Als der am zweithäufigsten gesprochenen Sprache Deutschlands.
 

 
         
    2. Stärke- und Schwächen-Analyse  
         
      Schwächen:
Aufgrund der hohen Anforderungen durch das Erlernen zweier nahöstlicher Sprachen, die Studienzweck und Arbeitsmittel darstellen, ist die Abbrecher-Quote gerade unter Studienanfängern sehr hoch.

Stärken:
Die Intensität des Studiums führt zu einem hohen Identifikationsgrad der Studierenden mit der Orientalistik als dem Fach, dem sie sich am stärksten verbunden fühlen. Die am Institut geleistete individuelle Betreuung der Studierenden fördert eine frühe Herausbildung von Studienschwerpunkten und führt so zu schnelleren Studienabschlüssen.

 
         
    3. Ziele des Instituts für Orientalistik  
         
    3.1 Bildung als Werte-Vermittlung

Gerade in einem Fach, das sich dem historisch-kritischen Studium einer Religion, des Islams, und der von ihm geprägten Kulturräume verschrieben hat, liegt ein besonderer Schwerpunkt in der Vermittlung von Werten. In der Auseinandersetzung mit Islamismus und religiöser Intoleranz einerseits und der gesellschaftlichen Ausgrenzung und Isolation muslimischer Migranten und Migrantinnen sieht sich das Institut für Orientalistik auch als Ort der Vermittlung demokratischer Grundwerte wie Toleranz und Gerechtigkeit.

 
         
    3.2 Vermittlung kultureller Kompetenz

Seit ihrem Bestehen in Gießen verstehen sich die orientalistischen Fächer nicht nur als Ort der Analyse "fremder", außereuropäischer Kulturen, sondern sie treten auch als Vermittler von notwendigen Zusatz- und Schlüsselqualifikationen für die traditionellen europabezogenen Studienfächer hervor.

Heute leben fast 3 Millionen Muslime in Deutschland. Die Staaten der islamischen Welt sind Europas Nachbarn im Süden, Osten und Südosten. Das gesamte südliche und östliche Mittelmeergebiet, die ostarabischen Länder sowie das weite Gebiet vom Iran bis zum Hindukusch, von der Wolga bis in die Steppen Mittelasiens werden die Zukunft Europas um ein Vielfaches mehr beeinflussen, als dies vor den Ereignissen vom 11. September 2001 erkennbar war.

Die orientalistischen Fächer an der Justus-Liebig-Universität haben sich in zunehmendem Maße aktiv in diese neue Situation eingebracht. Sie dokumentieren und analysieren sie auf der Basis der Philologien des genannten Gebiets, seiner ethnischen Vielfalt und seiner geistigen wie materiellen Kultur. Dazu zählt heute auch die bi-kulturelle und zweisprachige Situation der in Westeuropa lebenden Muslime sowie Angehöriger anderer Religionen aus dem vom Islam dominierten östlichen Mittelmeergebiet.

Die Giessener Orientwissenschaft sieht ihre Aufgabe hauptsächlich darin, das wissenschaftliche know how sowohl zur Erkenntnis als auch zur praktischen Nutzbarmachung der veränderten und für Europa immer wichtiger werdenden geopolitischen, religiösen und kulturellen Lage in den Ländern der islamischen Welt zu erbringen.
Im Ergebnis ist es das Ziel des Instituts für Orientalistik bei unseren Studierenden die Fähigkeit zum ausgleichenden Umgang mit anderen Kulturen, die kulturelle Kompetenz, zu fördern.
 
         
    3.3 Effiziente Ausbildung

Das Institut für Orientalistik an der Justus-Liebig-Universität sieht seinen Schwerpunkt in der gründlichen, umfassenden, aktuellen und effizienten Ausbildung von Arabisten, Islamwissenschaftlern und Turkologen im Haupt- und Nebenfachstudium.

Am Institut für Orientalistik werden deshalb die Fächer Arabistik, Islamwissenschaft und Turkologie sowohl in ihrer philologischen wie auch in ihrer kulturwissenschaftlichen Dimension vermittelt. Die Orientalistik in Gießen leistet durch das Setzen sozialwissenschaftlicher Schwerpunkte ihren Beitrag im Diskurs um die Innovation der Orientwissenschaften.

Eines der Ziele der Lehre am Institut für Orientalistik ist die Vermittlung von Kompetenz im Umgang mit den Neuen Medien. Hieraus entstand eine Vernetzung mit dem ZMI (Zentrum für Medien und Interaktivität) an der JLU. Ebenso wurde bereits mit der verstärkten Nutzung der Neuen Medien im Unterricht begonnen.
 
         
    3.4

Vernetzungen

Neben diesen Kooperationen arbeitet das Institut für Orientalistik auch in folgenden inner- und außeruniversitären Vernetzungen:

1. Innerhalb der JLU:

a. Zusammenarbeit mit anderen Philologen im Bereich Fremdsprachenerwerb;
b. Integration der Orientalistik in den Studiengang „Komparatistik“;
c. Mitarbeit im Sonderforschungsbereich 434 "Erinnerungskulturen" der Deutschen Forschungsgemeinschaft (Sprecher: Prof. Dr. Günter Oesterle) Teilprojekt F 5: "Der 'wahre' Islam: Exegesehorizont und Erinnerungspraxis religiös-politischer Bewegungen der zeitgenössischen muslimischen Ökumene" (Teilprojektleiterin: Prof. Dr. Angelika Hartmann);
d. Gemeinsame Gastdozenturen und Vorträge mit den Fächern Slavistik und Osteuropäische Geschichte;
e. Zusammenarbeit zwischen der Orientalistik und der Geschichtswissenschaft;
f. Gemeinsame Ringvorlesungen, Workshops, Seminare und Gastvorträge mit den Fächern Soziologie und Politikwissenschaft;
g. Integration islamwissenschaftlicher Vorlesungen in die Studiengänge der ev. und kath. Theologie;
h. Nebenfach „Islamwissenschaft“ als anerkannter Diplomstudiengang für Geographie-Studierende im Hauptfach;
i. Gemeinsames Projekt zur Armutsforschung im Nahen Osten mit den Wirtschaftswissenschaften und dem Zentrum für Entwicklungs- und Umweltforschung (ZEU);
j. Integration der Studienelemente „Arabisch“ und „Türkisch“ in den Studiengang „Deutsch als Fremdsprache“;
k. Mitgliedschaft im Graduiertenkolleg „Didaktik des Fremdverstehens“ (Prof. Bredella);

2. Über die JLU hinaus:

a. Mitgliedschaft (Schriftführung) im Vorstand der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Vorderer Orient für gegenwartsbezogene Forschung und Dokumentation (DAVO);
b. Integration der Orientalistik in die Partnerschaft mit der Universität Kazan, Tatarstan; insbesondere die Zusammenarbeit mit der Fakultät für Tatarische Philologie (Prof. Dr. Talgat Galiullin) mit einem Studenten- und Dozentenaustausch;
c. ECTS/ERASMUS-Programm mit dem Department of Oriental and Slavonic Studies der Universität Leuven (Belgien);
d. Im Landesforschungsschwerpunktprogramms des Landes Hessens mit dem Teilprojekt "Islamismus und Zivile Gesellschaft im Nahen und Mittleren Osten" (Prof. Dr. A. Hartmann) gemeinsam mit dem politologischen Teilprojekt "Der Islam im Westen" (Prof. Dr. C. Leggewie);
e. Aufbau einer engeren Zusammenarbeit mit der Zitouna-Universität in Tunis und mit dem Staatlichen Institut für Orientalistik der Universität Taschkent in Usbekistan;
f. Intensive und gute Kontakte unterhält das Institut für Orientalistik außerdem zu mehreren orientalischen und europäischen Universitäten und Forschungsinstitutionen, z. B. in Kairo, Amman, Beirut, Istanbul, Paris, Leuven, Leiden und Wien.

 
         
    3.5 Verstärkung der Außenwirkung

Neben der universitären Forschung und Lehre bemüht sich das Institut für Orientalistik durch seinen interdisziplinären und den gesamten Vorderen Orient sowie Teilgebiete Mittelasiens umfassenden Ansatz in besonderem Maße auch darum, den Informationsaustausch mit und zwischen den zahlreichen außeruniversitären Institutionen zu fördern, welche am aktuellen politischen und kulturellen Geschehen in den islamischen Ländern interessiert sind.

Der Öffentlichkeitsarbeit des Instituts im Rahmen der Erwachsenenbildung im In- und Ausland kommt deshalb ein hoher Rang zu. Aktuelle Themen zu den Problemkreisen der religiösen Ethik, Geschichte, Politik und politischer Theorien der Muslime in ihren Heimatländern sowie in Westeuropa stehen im Mittelpunkt dieses Bereichs der Institutsaktivitäten, welche sich in Form von Vorträgen, Podiumsdiskussionen, Mitwirkung bei berufsethischen Lehrgängen, Politikberatung sowie auch in Berichten für kirchliche bzw. weltanschaulich neutrale Einrichtungen niederschlagen. 

Besonders nach den Ereignissen des 11. September 2001 hat sich die Giessener Orientalistik bemüht, dem gesteigerten Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit gerecht zu werden.

 
         
    3.6 Neue Studiengänge

Um einen aktiven Beitrag zur Verwirklichung der unter 3.1 und 3.2 genannten gesellschaftlichen Ziele zu leisten, legt das Institut für Orientalistik großen Wert auf die Einrichtung neuer Studiengänge, wie z.B. dem im Aufbau befindlichen L3-Studiengang „Erweiterungsfach Türkisch“, die dem öffentlichen Interesse entspringen.
 
         
    4. Umsetzung  
         
      Bei der Umsetzung dieser Ziel, der Beseitigung der unter 2 genannten und erkannten Schwächen sowie zur Nutzung der eigenen Stärken setzt das Institut für Orientalistik auf eine verstärkte Betreuung der Studenten, insbesondere in der Phase des Studienbeginns. Zudem strebt die Giessener Orientalistik eine bessere Zusammenarbeit mit den weiterführenden Schulen der Region an.

Zu den angestrebten Maßnahmen zählt die Einführung eines verpflichtenden Beratungsgesprächs vor Studienbeginn ab dem Wintersemester 2002. Hierdurch sollen falsche Erwartungen an das Studium und damit einer der Hauptgründe für einen Abbruch des Studiums im Vorfeld verhindert werden.

In der Planungsphase ist die Einführung einer Studienkarte für alle Studierenden. Diese Studienkarte soll den Studierenden die Möglichkeit geben, sich Leistungen über das bloße Studienziel hinaus bescheinigen zu lassen. So könnte positives Engagement und die Bindung an das Institut und damit an die JLU gefördert werden.

Auch möchte das Institut für Orientalistik studentische Initiativen im inner- wie außeruniversitären Bereich fördern. Zugleich wird eine Integration der Studierenden im Hauptstudium in den Studienbetrieb angestrebt. Dies könnte über die Gründung studentischer Arbeitsgruppen geschehen.
 
         
    5. Ergebniskontrolle  
         
      Die Kontrolle der Zielvorgaben wird über eine regelmäßige institutsinterne Evaluation sowie eine Auswertung der Studienkarten erfolgen. Eine weitere Kontrolle soll in der Form einer „Abschiedsbeurteilung“ durch Absolventen sowie durch den Aufbau eines Netzwerkes der Absolventen des Instituts für Orientalistik der JLU erfolgen.  
         
         
         
     

Letzte Bearbeitung dieser Seite am 15.06.2004