Verbreitung und Ökologie von Stromtalwiesen

Die durch regelmäßige Überflutungen geprägten, wechselfeuchten Grünlandgesellschaften der Brenndolden-Feuchtwiesen (Cnidion) besitzen ihre Hauptverbreitung auf den Alluvionen der Flußniederungen des kontinentalen Osteuropas, wo sie vom pannonischen Becken, über Polen, die Ukraine und das europäische Rußland bis weit nach Südsibirien hinein auch heute vielerorts noch große Flächen einnehmen.

In Deutschland sind ökologische Bedingungen, die denen der osteuropäische Tieflandsflüsse ähneln ausschließlich im Einzugsbereich der trockenen-warmen, klimatisch bereits deutlich subkontinental getönten großen Stromtäler der Oder, der Elbe, des nördlichen Oberrheins, des mittleren Mains und der niederbayerischen Donau zu finden. Entsprechend der daraus resultierenden Arealmuster werden Cnidion-Gesellschaften in Mitteleuropa häufig als Stromtalwiesen und die sie charakterisierenden Pflanzensippen als Stromtalarten bezeichnet. Viele charakteristische Arten des Cnidion stoßen bereits am Rhein an die Westgrenze ihrer Verbreitung.

Rezentaue bei Hochwasser  Druckwasser in der Altaue

Ökologisch kennzeichnend für diese kontinentalen Auengrünlandgesellschaften ist der extrem unausgeglichene Wasserhaushalt ihrer Standorte. Während die mit der Schneeschmelze einsetzenden Hochwassser im Frühjahr und Frühsommer oft zu wochenlangen Überschwemmungen führen, kommt es im trocken-heißen Sommer des kontinentalen Osteuropas auch in den Auen häufig zu einer scharfen Austrocknung der Böden, welche die Vegetation bei fehlendem Grundwasseranschluß unter massiven Trockenstress setzt.

Der variable Wasserhaushalt der Standorte findet seinen deutlichen Niederschlag in der floristischen Struktur der Brenndolden-Feuchtwiesen und führt zu einem charakteristischen nebeneinander von nässetoleranten Sumpf- und Flutrasenarten, mesophytischen Grünlandarten und sogar ausgeprägt trockenheitstoleranten Arten aus Steppenrasen und Saumgesellschaften.

Allen Arten ist gemein, daß sie sowohl eine phasenweise Überschwemmung als auch eine starke Austrocknung der Standorte zu überstehen vermögen. Entsprechend der niveauabhängigen Überflutunghäufigkeit treten etageal differenziert mehr ausgesprochene Sumpf- und Flutrasenarten oder aber mesophytische Grünlandarten und Trockenheitszeiger stärker in den Vordergrund, ohne dass aber eine der genannten Artengruppen zur alleinigen Dominanz gelangen würde.

Stark ausgeprägt sind auch überflutungs- oder witterungsbedingte saisonale Fluktuationen der Abundanz und Dominanz der beteiligten Arten, welche die jährlich häufig stark wechselnden Umweltbedingungen widerspiegeln und den Brenndolden-Auenwiesen einen im Vergleich zu anderen Grünlandgesellschaften ausgesprochen dynamischen, bisweilen fast ruderal anmutenden Charakter verleihen.


Stromtalwiese - Iris spuria-Aspekt  Stromtalwiese